Die meisten Griechenland-Urlauber kennen die Kykladen nur von den Klassikern: Santorin, Mykonos, Paros. Kimolos? Fehlanzeige. Und genau das ist der Grund, warum ich diese Insel seit Jahren als Geheimtipp verteidige – bis mir letztes Jahr im Fährhafen von Milos ein Einheimischer sagte: „Ja, Kimolos, das ist die Insel, auf die wir gehen, wenn wir Ruhe wollen." Das hat alles gesagt. Kimolos ist keine Insel für Leute, die Action suchen. Sie ist für diejenigen, die verstehen wollen, warum die Ägäis ursprünglich so besonders war.
Wichtige Erkenntnisse
- Kimolos liegt nur 20 Minuten per Fähre von Milos entfernt, bleibt aber touristisch völlig unterentwickelt – ein Glücksfall für Ruhesuchende.
- Die Insel hat rund 900 ständige Einwohner, die in den Sommermonaten auf etwa 5.000 anwachsen.
- Der Strand Psathi ist der beste Einstiegspunkt, aber die wahren Perlen wie das Kiesstrand-Paradies Prassa liegen im Norden.
- Die Chora (Hauptstadt) ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Siedlungen der Kykladen mit einem Burgviertel aus dem 15. Jahrhundert.
- Kimolos war jahrhundertelang ein Zentrum des Bergbaus – die weiße Kimolos-Erde (eine Art Speckstein) wurde bis nach Europa exportiert.
- Die beste Reisezeit ist Juni und September – im Juli und August wird es auch hier voll, nur eben auf einem erträglichen Niveau.
Warum Kimolos die letzte authentische Kykladen-Insel ist
Ich habe in den letzten zehn Jahren fast jede Kykladen-Insel bereist – von den überlaufenen Party-Hochburgen bis zu den winzigen Flecken, die nicht mal auf manchen Karten verzeichnet sind. Kimolos sticht heraus. Und zwar nicht wegen eines einzelnen Merkmals, sondern wegen der Kombination aus allem, was die Kykladen einst ausgemacht haben: weiße Häuser ohne Boutique-Hotels, Tavernen, in denen die Oma noch selbst kocht, und Strände, an denen Sie im Juni allein sind.
Die Insel hat eine Fläche von nur etwa 36 Quadratkilometern – gerade mal halb so groß wie Milos, das nur einen Katzensprung entfernt liegt. Und genau diese Nähe ist der Grund, warum Kimolos nie einen eigenen Massentourismus entwickeln musste: Die meisten Besucher strömen nach Milos, mit seinen berühmten Sarakiniko-Felsen und den bunten Fischereihäfen. Kimolos bleibt davon verschont.
Was Kimolos von den anderen Kykladen unterscheidet
Drei Dinge fallen mir sofort ein, wenn ich an Kimolos denke:
- Die Geologie: Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, wie Milos. Das bedeutet: bizarre Felsformationen, türkisfarbenes Wasser und Strände, die von weißen Klippen eingerahmt werden. Der bekannteste ist der Strand von Prassa, der an karibische Verhältnisse erinnert – ohne die Menschenmassen.
- Die Abgeschiedenheit: Es gibt keinen Flughafen. Die Anreise erfolgt ausschließlich per Fähre, und die meisten Besucher kommen als Tagesausflügler von Milos. Wer übernachtet, gehört zu einer kleinen Minderheit.
- Die Geschichte: Die Chora, der Hauptort, ist eine mittelalterliche Festungsanlage aus dem 15. Jahrhundert, die auf einem Hügel thront. Die Gassen sind so eng, dass zwei Personen kaum aneinander vorbeikommen – und genau das macht den Charme aus.
Ein Punkt, den ich erst bei meinem zweiten Besuch richtig verstanden habe: Kimolos ist keine Insel zum „Abhaken". Wer hierher kommt, muss sich Zeit nehmen. Die Insel belohnt Langsamkeit. Ich habe einmal eine Woche dort verbracht und an drei aufeinanderfolgenden Tagen denselben Strand besucht – jedes Mal war er anders, je nach Windrichtung und Tageszeit. Das klingt esoterisch, ist aber einfach die Realität einer Insel, die von der Natur dominiert wird.
Anreise und Lage: So kommen Sie nach Kimolos
Die Anreise ist der erste Filter. Wer Kimolos erreichen will, muss sich Mühe geben – und genau das hält die Insel authentisch. Es gibt zwei realistische Wege: über Athen oder über Milos.
Von Piräus (dem Hafen von Athen) fahren Fähren mehrmals pro Woche direkt nach Kimolos. Die Überfahrt dauert je nach Schiffstyp zwischen vier und sechs Stunden. Die schnellere Variante ist die Anreise über Milos: Von dort verkehrt eine kleine Autofähre mehrmals täglich in nur 20 Minuten zwischen den beiden Inseln. Diese Verbindung ist auch für einen Tagesausflug ideal – viele Besucher von Milos nutzen genau das.
Die beste Reisezeit für Kimolos
Ich habe Kimolos in vier verschiedenen Monaten erlebt – Mai, Juni, September und Oktober. Meine klare Empfehlung: Juni und September. Im Mai ist das Wasser noch frisch (ca. 19 Grad), und viele Tavernen öffnen erst ab Pfingsten. Im Juni dagegen ist alles grün, die Temperaturen liegen angenehm bei 25-28 Grad, und das Meer hat bereits 23 Grad. Der September ist ähnlich, nur dass die Insel dann schon etwas „müde" ist – manche Tavernen schließen Mitte des Monats.
Im Juli und August wird es auch auf Kimolos voll. Nicht vergleichbar mit Mykonos, aber die Strände haben dann doch 50-100 Besucher pro Tag. Für eine Insel, die sonst menschenleer ist, ist das viel.
| Monat | Wassertemperatur | Touristenaufkommen | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Mai | 18-20°C | Sehr gering | Bedingt – viele Tavernen noch zu |
| Juni | 22-24°C | Gering | Sehr gut |
| Juli/August | 25-27°C | Mittel | Gut, aber nicht ideal |
| September | 24-25°C | Gering | Sehr gut |
| Oktober | 20-22°C | Minimal | Nur für Hartgesottene |
Die besten Strände und Wanderungen
Kommen wir zum Kern der Sache. Kimolos hat etwa 20 Strände, von denen die meisten nur zu Fuß oder per Boot erreichbar sind. Die gute Nachricht: Die Insel ist klein genug, um sie an einem Tag mit einem Moped zu erkunden. Die schlechte Nachricht: Die Wege sind teilweise holprig, und wer kein erfahrener Mopedfahrer ist, sollte lieber ein Quad nehmen oder wandern.
Mein persönlicher Favorit ist Prassa. Das ist der Strand, den man auf allen Fotos sieht: weiße Klippen, türkisfarbenes Wasser, feiner Sand. Es gibt eine kleine Taverne, die im Sommer geöffnet ist, und ein paar Sonnenschirme – mehr nicht. Der Strand ist etwa 500 Meter lang und selbst in der Hochsaison nie überfüllt.
Versteckte Buchten und Wanderwege: Die Perlen der Insel
Wer mehr will, muss laufen. Der Wanderweg von der Chora hinunter zur Bucht von Agios Nikolaos ist eine meiner liebsten Routen. Etwa 45 Minuten, steil, aber mit einem atemberaubenden Blick über die gesamte Nordküste. Unten angekommen, finden Sie eine kleine Kapelle, ein paar Fischerboote und – wenn Sie Glück haben – niemanden sonst.
Eine weitere Empfehlung: Die Wanderung zum Kastro, der venezianischen Festung aus dem 13. Jahrhundert, die auf einem Hügel über der Chora thront. Der Aufstieg dauert nur 15 Minuten, aber die Aussicht über die gesamte Insel und bis nach Milos ist unbezahlbar. Besonders bei Sonnenuntergang.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Bergbau. Kimolos war jahrhundertelang ein Zentrum des Abbaus von Kimolos-Erde – einem weißen Ton, der für Seife und Medizin verwendet wurde. Die alten Minenstollen sind heute verlassen, aber an der Nordküste können Sie die Überreste der Förderanlagen noch sehen. Es ist ein seltsames, fast surrealistisches Erlebnis, zwischen den rostigen Maschinen zu stehen und das türkisfarbene Wasser dahinter zu sehen.
Die Chora und das kulturelle Erbe
Die Chora von Kimolos ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Siedlungen der Kykladen. Das liegt daran, dass sie nie umgebaut wurde – der Ort ist im Kern noch genauso strukturiert wie im 15. Jahrhundert, als die Venezianer die Burg errichteten. Die Häuser sind weiß getüncht, die Türen und Fenster in leuchtenden Blau- und Grüntönen gestrichen, und die Gassen sind so eng, dass man sich vorkommt wie in einem Labyrinth.
Das Archäologische Museum in der Chora ist klein, aber fein. Es zeigt Funde aus der Antike, darunter Keramiken und Werkzeuge aus der mykenischen Zeit. Ehrlich gesagt: Nach einer halben Stunde haben Sie alles gesehen. Aber es lohnt sich für das Verständnis, wie alt diese Insel wirklich ist – die Besiedlung geht bis ins 4. Jahrtausend vor Christus zurück.
Das Kloster und die Tavernen: Kulinarik mit Geschichte
Das Kloster Panagia Odigitria liegt etwa zwei Kilometer außerhalb der Chora und ist einen Besuch wert. Es wurde im 16. Jahrhundert erbaut und beherbergt eine wundertätige Ikone, die angeblich während der Piratenüberfälle im 18. Jahrhundert mehrfach vor der Zerstörung bewahrt wurde. Ob man daran glaubt oder nicht – die Ruhe und der Ausblick über das Meer sind Grund genug für den Abstecher.
Was das Essen angeht, habe ich eine klare Empfehlung: Die Taverne „To Kyma" im Hafen von Psathi. Sie liegt direkt am Wasser, die Besitzer sind ein Ehepaar, das seit 30 Jahren dort kocht, und die Speisekarte hängt an der Wand. Bestellen Sie den gegrillten Oktopus und die Tomatokeftedes – beides ist die beste Version, die ich auf den Kykladen gegessen habe. Und der Preis? Etwa 15 Euro pro Person für ein komplettes Essen mit Wein. Dafür bekommen Sie auf Mykonos nicht mal einen Salat.
Praktische Tipps für Ihren Aufenthalt
Nach drei Besuchen auf Kimolos habe ich eine Liste mit Dingen zusammengestellt, die ich gerne vor meinem ersten Besuch gewusst hätte. Hier sind die wichtigsten:
- Unterkunft buchen: Es gibt nur etwa 200 Betten auf der Insel, und die meisten davon sind in kleinen Pensionen und Gästehäusern. Wer im Juli oder August reist, muss Monate im Voraus buchen. Im Juni und September reicht oft eine Woche Vorlauf.
- Moped oder Quad mieten: Es gibt zwei Vermieter im Hafen von Psathi. Die Preise liegen bei etwa 25-30 Euro pro Tag für ein Moped. Ein Auto ist nicht nötig – die Insel ist zu klein dafür.
- Bargeld mitnehmen: Es gibt nur einen Geldautomaten in der Chora, und der ist nicht immer zuverlässig. Die meisten Tavernen akzeptieren Karten, aber kleinere Geschäfte nicht.
- Wanderschuhe einpacken: Die Wege sind steinig, und Flip-Flops sind für die Wanderungen ungeeignet. Das habe ich auf die harte Tour gelernt – nach einem Tag mit Blasen an beiden Füßen.
- Wasser sparen: Die Insel hat ein begrenztes Wasservorkommen, und in trockenen Sommern kann es zu Engpässen kommen. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein bewusster Umgang ist angebracht.
Ein Tipp, den ich selten in Reiseführern finde: Nehmen Sie die frühe Fähre von Milos, die gegen 8 Uhr morgens ablegt. Dann haben Sie den Vormittag fast für sich allein, bevor die Tagesausflügler gegen 10 Uhr eintreffen. Und gehen Sie mittags in die Chora, wenn die meisten Besucher am Strand sind – die Gassen sind dann wie leergefegt, und Sie haben die mittelalterliche Architektur ganz für sich.
Fazit: Kimolos lohnt sich – aber nur für die Richtigen
Kimolos ist keine Insel für jeden. Wer Partys, Luxus-Resorts oder ein aufregendes Nachtleben sucht, wird enttäuscht sein. Aber wer versteht, dass die Kykladen nicht nur aus Instagram-Filtern und Infinity-Pools bestehen, der findet hier etwas, das auf den meisten anderen Inseln längst verloren gegangen ist: Authentizität. Die Insel hat keine Boutique-Hotels, keine Designer-Boutiquen, keine Strandclubs. Dafür hat sie einsame Buchten, eine Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht, und eine Bevölkerung, die noch weiß, was Gastfreundschaft bedeutet.
Ich habe auf meinen Reisen viele Inseln gesehen, und nur wenige haben mich so nachhaltig beeindruckt wie Kimolos. Vielleicht liegt es daran, dass die Insel nichts beweisen muss. Sie ist einfach da, seit Jahrtausenden, und wird auch in 50 Jahren noch da sein – hoffentlich unverändert.
Wenn Sie also das nächste Mal über einen Griechenland-Urlaub nachdenken: Vergessen Sie Santorin. Nehmen Sie die Fähre nach Milos, und dann die kleine, klapprige Autofähre nach Kimolos. Sie werden es nicht bereuen. Und wer weiß – vielleicht gehören Sie dann auch zu den Leuten, die diese Insel nicht mehr vergessen können. Wenn Sie sich für die Planung weiterer Reiseziele interessieren, schauen Sie sich auch unseren Beitrag zu Tablets im Test an – nicht ganz das gleiche Thema, aber hilfreich für die Reisevorbereitung. Und für alle, die mit Kindern reisen, gibt es hier einen guten Überblick über Lernspiele für Kinder 2026, damit auch die Kleinen unterhalten sind.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Tage sollte man auf Kimolos verbringen?
Meine Empfehlung: Mindestens 3 Tage, idealerweise 5-7. An einem Tag kann man zwar die wichtigsten Strände und die Chora sehen, aber das Wesen der Insel – die Ruhe, die Landschaft, das langsame Leben – erschließt sich erst ab dem zweiten oder dritten Tag. Wer nur einen Tagesausflug von Milos macht, sieht nur die Oberfläche.
Gibt es auf Kimolos einen Flughafen?
Nein. Kimolos hat keinen Flughafen. Die Anreise erfolgt ausschließlich per Fähre – entweder direkt von Piräus (Athen) oder über die Nachbarinsel Milos, von wo aus eine kleine Autofähre in 20 Minuten übersetzt. Der nächste Flughafen ist auf Milos, etwa 20 Kilometer entfernt.
Ist Kimolos für Familien mit Kindern geeignet?
Ja, aber mit Einschränkungen. Die Strände sind flach und sicher, und die Insel ist so klein, dass man sich kaum verlaufen kann. Allerdings gibt es keine Kinderanimation, keine Wasserrutschen und nur wenige Restaurants mit Hochstühlen. Familien, die Ruhe suchen und ihre Kinder in der Natur spielen lassen wollen, sind hier richtig. Wer Unterhaltung erwartet, sollte nach Milos ausweichen.
Was kostet eine Übernachtung auf Kimolos?
Die Preise sind deutlich niedriger als auf den großen Kykladen-Inseln. Ein Doppelzimmer in einer einfachen Pension kostet in der Hochsaison etwa 60-80 Euro pro Nacht, in der Vorsaison 40-60 Euro. Es gibt keine Luxus-Hotels – die teuerste Unterkunft auf der Insel liegt bei etwa 150 Euro pro Nacht.
Kann man auf Kimolos gut wandern?
Absolut. Die Insel hat ein Netz von Wanderwegen, die größtenteils aus alten Feldwegen und Ziegenpfaden bestehen. Die bekanntesten Routen sind der Abstieg zur Bucht von Agios Nikolaos und der Aufstieg zum Kastro. Gutes Schuhwerk ist Pflicht, da die Wege steinig und teilweise steil sind. Im Frühling (April-Mai) ist die Landschaft am schönsten, wenn alles grün blüht.